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und doch war, wenigstens was die schilderungen betrifft, der richtige weg schon früher im leitfaden eingeschlagen, indem hier und da einzelne namen prägnante attribute erhalten hatten. dies verfabren, das sich bis dahin mehr auf die ganzen continente beschränkte, hat Volz adoptiert und weiter ausgedehnt, und er hätte vielleicht besser daran gethan, es dabei bewenden zu lassen. denn attribute wie 'die trübe Irawaddi, der rasche Mekong, der Ohio, der amerikanische Rhein', sind vollauf geeignet und genügend, einerseits das gedächtnis bei der einprägung zu unterstützen, anderseits aber auch die vorstellungen lebendig zu erhalten, die der vortrag des lebrers vermittelt hatte.

Auch die politische geographie ist einer gewissenhaften durchsicht und verbesserung unterzogen worden, weniger jedoch der statistische als der historische teil, der neben manchen wichtigen zusätzen vor allem auch erhebliche kürzungen erfahren bat. das gilt besonders von dem abschnitt über die staatenbildung auf deutschem boden, der den kundigen historiker deutlich erkennen läszt. dasz die aufzählung der staaten des ehemaligen deutschen bundes gestrichen worden, wird niemand misbilligen, sie gehört gottlob nun schon geraume zeit der geschichte an. in der classifizierung der europäischen Staaten vermisse ich die nötige consequenz. V. zählt 25 souveräne staaten auf. wenn als solcher mit einem gewissen recht das groszfürstentum Finnland figuriert, so begreift man nicht recht, warum Ungarn, Böhmen u. a. m. tiefer rangieren sollen, um so weniger, als auch Schweden und Norwegen nebeneinander gestellt werden ; wenn S. Marino nicht fehlt, so bätte auch Andorra schon der vollständigkeit und curiosität wegen nicht übergangen werden dürfen. dasz Bulgarien als souveräner staat gerechnet und dasz die zahl der europäischen königreiche auf 13 angegeben wird (871), ist wohl nur ein versehen des correctors. ebendaher wird die angabe stammen, dasz Genf mit 68000 einw. die volkreichste stadt der Schweiz sei, wäbrend kurz vorher Zürich mit 76000 einw. versehen wird, auch Murcia ist mit 91000 einw. wohl zu hoch angesetzt.

Diese kleinen ausstellungen führen mich auf das capitel von den zahlen überhaupt. es wird mit recht an Kirchhoff gelobt, dasz er gegenüber v. Seidlitz und Daniel die fülle der namen und zahlenangaben so erheblich reduciert habe. Volz ist diesem guten beispiel gefolgt, bat aber trotzdem, namentlich in Deutschland, zuweilen ganz minimale zahlenangaben beibebalten. ich kann unmöglich glauben, dasz diese alle zum lernen bestimmt sind, und wenn, so würde der lehrer sehr wenig einsichtig verfahren, der das gedächtnis seiner schüler so ungebührlich belasten wollte. kann man doch gerade die auswahl der zahlen nicht ängstlich genug treffen! aber warum soll nicht zur illustration z. b. der kleinstaaterei die einwobnerzahl einer kleinen residenz einmal genannt werden, sie wirkt ganz gewis viel drastischer als lange auseinandersetzungen nicht so ungefährlich will mir der Übergang in die quadratkilometerrechnung erscheinen, denn wenn auch die alte berechnung nach quadratmeilen parenthetisch noch beibehalten ist, so ist doch jedenfalls beabsichtigt, sie allmäh. lich ganz fallen zu lassen. aber so wenig wir den thaler entbehren können, so wenig werden wir die bequemen meilen und quadratmeilen trotz allen thesen des geographentages wirklich einbürgern, auch die Franzosen sind bei ibrer lieue und lieue carrée geblieben. mit der meterrechnung ist das etwas anderes, sie bat uns gegen früher eine verkleinerung der zahlen gebracht und ist deshalb und weil die rechnung nach fuszen und zollen der jüngern generation fremd geworden, selbstverständlich vorzuziehen. die umwandlung der quadratmeilen in quadratkilometer aber verursacht die ungeheuerlichsten zahlenbilder, denen schlieszlich die vorstellungskraft des schülers nicht gewachsen sein wird.

Ein näheres eingehen auf die zahlreichen einzelnen verbesserungen würde mich zu weit führen. um jedoch wenigstens einiges zu erwähnen, so ist der berüchtigte Golf de Lion endlich mit du Lion zu seinem recht gekommen, so fångt der Apennin nicht mehr beim Col di Tenda an, sondern man låszt ihn dort anfangen $ 75, während der nördliche Apennin seiner gesteinart nach zu den Alpen gehört § 76 u, s. f.

Zum schlusz möchte ich für die folgenden auflagen dem herausgeber noch einige vorschläge unterbreiten. es ist unerläszlich, den schülern einige bemerkungen über den globus und die karte zu geben. ein kurzer passus über jenes im ersten buch, ein etwas längerer über maszstab und projectieren im zweiten würde einem wesentlichen bedürfnis abhelfen. der raum dazu ist leicht durch eine beseitigung der repetitionsfragen zu schaffen, die vom schüler schwerlich benutzt werden und für den lehrer vollends überflüssig sind, vielleicht auch durch eine kürzere behandlung der vereinigten staaten von Amerika, deren vollständige aufzählung denn doch wohl unnötig sein dürfte. endlich möchte ich gegen eine rein äuszerliche änderung wie 'habt auch ihr schon gehört' statt 'hat die geschichte vieles zu erzählen' § 79 um so nachdrücklicber protest einlegen, als diese art der apostrophe, so viel ich sehe, nur an dieser einen stelle beliebt worden ist.

Überall sieht man jedenfalls, dasz das verdienstvolle kleine buch aufs neue in gute hände gelegt worden ist. gerade deshalb aber sehen wir in dieser ausgabe einstweilen nur eine abschlagszahlung und raten dem verleger dringend, in zukunft dem herausgeber gröszere freiheit zu gewähren als diesmal. die entschuldigung, dasz die weite und dichte verbreitung des buches natürlich ein allmähliches, vorsichtiges vorgehen empfehle’ können wir nicht gelten lassen, auch ist nicht einmal abzusehen, inwiefern eine durchgreifende umarbeitung dem vorteil des verlegers gefahr bringen kann. mehr als ein weitverbreitetes schulbuch hat sich im interesse der sache eine solche gefallen lassen müssen – ich erinnere nur an die neueste auflage des Schulz-Richterschen lesebuchs für den lateinischen unterricht - und diese änderung ist nach allen seiten unbedenklich, denn in der praxis werden derartige bücher immer nur für die classen verlangt, in denen der betreffende unterricht erst beginnt. BERLIN.

E. BAHN.

15. DAS GEOGRAPHISCHE KARTENZEICHNEN ZUM GEBRAUCHE BEIM UNTER

RICHT IN DER GEOGRAPHIE FÜR REAL- UND GYMNASIALANSTALTEN von ? ? NEUE AUSGABE. Stuttgart, A. Koch. 1884.

Als Julius Robert Mayer 1842 sein epochemachendes gesetz von der erhaltung oder unzerstörbarkeit der kraft veröffentlichte, geschah es unter so bescheidenem titel, dasz derselbe nicht so bedeutenden inhalt vermuten liesz. anders geht es einem in betreff des oberwähnten schriftchens. man meint, eine in das gebiet der methodik des geograpbischen unterrichts einschlagende abhandlung erwarten zu müssen, die so zu sagen eine der tagesfragen dieses unterrichtszweiges endgültig regelt, und man findet anstatt dessen ein werkchen, das wohl kaum von einem lebrer der geographie herrührt, das über eine lebendige verknüpfung des kartenzeichnens mit dem geographischen unterricht kein wort enthält, noch auch die bereits üblichen modalitäten des geographischen kartenzeichnens er. wähnt und prüft, sondern das vom standpunkte des zeichenlehrers oder kartographen dieses kartenzeichnen als selbstzweck auffaszt, und das namentlich im I abschnitt (zeichenmaterialien und -geräte) in viel zu breiter und elementarer weise vorgeht. man läszt sich wobl andeutungen über die beim kartenzeichnen zu verwendenden bleistifte usw. gefallen; aber explicationen wie die folgenden: 'zum auswischen von bleilinien und zum reinigen der zeichnung gebraucht man kautschuk, feines altbacknes brot oder abgeschabtes schaf. leder – oder: 'bekanntlich ist pergament eine ungegerbte, gereinigte, mit kalk gebeizte und geglättete tierhaut, wozu man gewöhnlich scbaf-, hammel. oder kalbfelle, aber auch ziegen., eselund schweinehäute wäblt', sind für die anstalten, denen sich das schriftchen in so ausgesprochener weise widmet, doch wohl kaum zu rechtfertigen. anders würde man über dasselbe urteilen können, wenn es sich in den dienst des autodidacten oder angehenden kartographen und nicht in den dienst des geographischen schulunterrichts stellte.

Das geograpbische kartenzeichnen hat eine äbnliche entwicklung erfahren wie der sog. anschauungsunterricht. von Pestalozzi zunächst zu einem princip erhoben, wird der letztere bald besondere disciplin; jede kleine modification im lebrgang repräsentiert sich als besondre 'methode'; es entsteht eine litteratur des anschauungsunterrichts, die an reichbaltigkeit nichts zu wünschen übrig låszt. in ähnlicher weise ist aus dem geographischen kartenzeichnen, einem unterstützungsmittel zum verständnis der karten sowie zum einprägen geograpbischer formen und nomenclaturen, ein besonderer zweig der methodik des erdkundlichen unterrichts erwachsen. auch er hat versucht, bisweilen als besondre disciplin aufzutreten, wiewohl er als solche in die zeichenstunde gehört. er hat sich zu einer besondern, sogenannten constructiven methode herausgebildet, die alles in der lection zu besprechende erst vom schüler zeichnen läszt. jenes den unterricht zu erleichtern bestimmte kartenzeichnen stellt sich dar in einer menge von modalitäten, die zuweilen lebhaft an die mnemonik erinnern, indem sie mit einem apparat von gradnetzzahlen, mathematischen hilfsconstructionen, distanzen usw. arbeiten, der das gegenteil von dem bewirkt, was man bezweckt. viele stellen auch an den lehrer der geographie unerfüllbare forderungen, indem sie von ihm ein vollständiges entwerfen der karte in jeder unterrichtsstunde und zwar aus dem gedächtnis fordern, ausgehend von dem satze, dasz der mensch das, was klar vor seinem geistigen auge steht, auch darstellen können müsse. nur möchte man auch bedenken, dasz von der mathematischen, das verhältnis der einzelnen teile eines dinges auffassenden und prüfenden seite der sinne, die artistische, darstellende verschieden ist. manche jener modalitäten leisten in der hand eines besonders mit der betreffenden art und weise vertrauten lehrers, unter besondern schulverhältnissen vorzügliches, während sie in ungeübter band und unter andern schulverbältnissen versagen. auch über diesen teil der methodik ist die litteratur, wie man sich leicht überzeugen kann, ungemein reichhaltig, so dasz man bei der im stadium lebhaftester discussion sich befindenden methodik des geographischen unterrichts für alle lernstufen leicht in gefahr kommt, den überblick zu verlieren und sich auf nebenfragen, wie das geographische kartenzeichnen, zu werfen.

Den wert desselben leugnen oder die praktische verwendung desselben vernachlässigen kann nur der, welcher die trefflichen methodischen abhandlungen darüber von 0. Delitsch', H. Oberländer', A. Kirchhoff?, E. Oehlmann (in diesen jabrb. 1881, s. 325 ff.) nicht mit aufmerksamkeit gelesen und nicht selbst gebrauch von diesem methodischen hilfsmittel gemacht bat. auch referent benutzt für jede classe, in der er geographie erteilt, eine matte, leere wachstuchkarte (nicht die von Vogel-Delitsch), in welche er vor der lection die umrisse des zu behandelnden territoriums mit kreide in ein äuszerst einfaches gradnetz einträgt, zeichnet während des unter

10. Delitsch: beiträge zur methodik des geogr, unterrichts, bes, des kartenlesens und kartenzeichnens usw., Leipzig 1867. § 5-14. H. Oberländer: der geogr. unterricht usw. III aufl., Grimma 1879. 8, 121 ff.

? zeitschrift für das gymnasialwesen von Bonitz usw., 25r jahrg., januarheft.

richts das zur besprechung gelangende, sofern es darstellbar ist, skizzenartig ein und fordert nach der lection copieren der skizze von seiten der schüler und eintragen derselben in ein im realschulgesetz vorgeschriebenes skizzenbuch.

Von seiten des lehrers der geographie ist das vorzeichnen trotz der vervollkommnung der wandkarten, trotz der trefflichen atlanten in den händen der schüler unerläszlich für die klare auffassung, die der schüler gewinnen soll, da auch unsere besten atlanten entweder zu reichliches material enthalten oder in einem maszstab darstellen, welcher der deutlichkeit einzelner teile nachteilig ist. aber noch nicht abgeschlossen ist wohl die frage über das kartenzeichnen des schülers, über das ziel, das man ihm stecken soll, über die zeit, in die man das kartenzeichnen desselben verlegen soll, über die ev, nachteile, die ein sonst treffliches unterstützungsmittel des geographischen lernens für den schüler haben kann. das folgende macht nicht anspruch auf den wert einer endgültigen entscheidung, sondern möchte nur zur klarstellung anregen.

Was den ersten punkt, das ziel des kartenzeichnens, anlangt, so musz man sich mit dem von Oppermann, einem der ersten vertreter der zeichnenden methode, ausgesprochenen satze unbedingt einverstanden erklären: 'der schüler musz durch das landkartenzeichnen dahin gebracht werden, dasz er die formen der länder im geiste vor sich stehen sieht.' spätere vertreter geben weiter, so besonders 0. Delitsch, der a. 0. s. 194 sich dahin ausspricht, 'dasz das ziel des kartenzeichnens die von hilfsmitteln unabhängige reproduction der landkartenbilder aus dem gedächtnis sei’, oder s. 168 verlangt, dasz der schüler durch das zeichnen die formen dem gedächtnisse so gut einprägt, wie er die vocabeln, das einmaleins usw. auswendig lernt. was er aus dem gedächtnisse zeichnen kann, ist sein volles geistiges eigentum geworden.' wie gegen den vergleich geographischer formen mit vocabeln usw., so kann man auch gegen den inhalt der forderung einwände erheben, nemlich dasz sie die kraft des schülers überschätzt oder überanstrengt. land karten ohne hilfsmittel aus dem gedächtnis zu zeichnen, ist sogar vielen lehrern der geographie unmöglich; ja selbst wenn man anstatt der landkarte nur skizzen vom schüler verlangt, wird sich eine her. stellung ohne hilfsmittel aus dem gedächtnis nur bei elementaren aufgaben (flusznetz, gebirgszug usw.) ersprieszlich erweisen, d. h. formen ergeben, die denen eines guten atlasses ähneln. mit der zeichnung complicierterer formen, z. b. ganzer ländergebiete (Italien, Böhmen usw.) aus dem gedächtnis ergeht es einem in der regel wie mit der construction des kreises, des regulären fünf- oder sechsecks aus dem kopfe: das bild schwebt einem deutlich vor dem auge, und doch bleibt die darstellung weit hinter der vorstellung zurück. ebenso gut als Oehlmann a. 0. mit recht die Kirchhoffsche anforderung an den geographielehrer, in jeder unterrichtsstunde das vollständige kartenbild ohne vorlage an der wandtafel zu entwerfen, als

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