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finden. fassen wir den realismus ins auge, welcher sich, abgesehen von Gotfrid, auch bei diesen dichtern oft in der ausmalung höchst bedenklicher scenen bekundet, so darf man wohl die meinung nicht zurückweisen, dasz die dichter den geschöpfen ihrer phantasie dinge gestatteten, welche sie in wirklichkeit, ibnen selbst zugemutet oder den ihrigen angethan, mit der spitze des speeres geahndet haben würden. BERLIN. .

Karl Kinzel.

69. EGELHA AF, DR. GOTTLOB, GRUNDZÜGE DER GESCHICHTE. I. TEIL.

DAS ALTERTUM. Heilbronn, gebr. Henniger. 215 s.

. Kaum ein anderer unterrichtszweig weist in der gegenwart solche fülle von neuerscheinenden lebrmitteln auf, wie die geschichte. eine unglaubliche menge von geschichtstabellen, repetitorien, leitfäden, lehr- und lernbüchern, grundrissen und grundzügen, besonders auch quellenbüchern bringt jedes neue jahr hervor. aus dieser thatsache ergibt sich, dasz auf dem felde des geschichtlichen unterrichts ein besonders reges streben vorhanden ist, immer noch bessere hilfsmittel für denselben zu gewinnen selbst der facblehrer vermag aber nicht, jeder neuen erscheinung die aufmerksamkeit zu widmen, die sie vielleicht verdiente, denn zu oft schon ward er getäuscht, wenn der neue leitfaden im grunde ein recht alter, d. b. ein solcher war, der die wirklichen fortschritte, die der historische unterricht vor allen durch Jäger und Herbst gemacht, nicht beachtet zeigte. darum zieht, referenten wenigstens, nur ein leitfaden noch an, der entweder auf den ersten blick schon wirklich neues darbietet, eine methodisch selbständige behandlung des lehrstoffs aufweist, wie die lernbücher E. Dahns, auch der grundrisz von Brock, die tabellen von Rethwisch und Schmiele, ja selbst das lehrbuch von E. Döring mit den zum teil recht guten abbildungen: oder der zum verfasser einen mann hat, dessen anerkannte wissenschaftliche oder pädagogische tüchtigkeit ibn vermuten läszt, dasz er durch denselben für den eigenen unterricht förderung erfahren dürfte. wenn Hofmann (Berlin) und Junge (Greiz) lebrbücher oder geschichtsrepetitionen veröffentlichen, so geziemt sich wohl, dasz man solchen aufmerksamkeit zollt und als jüngerer sich bemüht, den pädagogischen grundgedanken solcher männer nachzuspüren, dieselbe pflicht führte referenten dazu, das oben angeführte Egelbaafsche buch näher ins auge zu fassen und es mit anderen lehrbüchern, zumal mit dem ibm an umfang und preis fast völlig gleichen ‘bilfsbuche von Herbst zu vergleichen. die preisgekrönte bearbeitung der deutschen geschichte des reformationszeitalters, die ref. mit groszer befriedigung gelesen, und manches referat in fachzeitschriften von deinselben verfasser batten ibn zu dem vorurteile bestimmt, derselbe werde auch auf dem gebiete des bistori

schen unterrichts etwas durchaus gutes zu bieten wissen, zumal auch desselben verfassers grundzüge der deutschen litteraturgeschichte eine anerkennende beurteilung erfahren haben. referent gesteht aber von vornberein, dasz er in dieser erwartung getäuscht worden. nicht der sachliche inhalt des buches, sondern die methodische form, in der es als schulbuch sich präsentiert, ruft den widerspruch des ref. hervor. derselbe ist der meinung, dasz in unsern tagen der lehrbücher zu viele erscheinen und dasz eine berechtigung dazu eigentlich nur die haben, die wirklich gutes bringen. sollte verfasser etwa der ansicht sein, es wäre der lebrer. oder schülerwelt etwas verloren gegangen, wenn diese grundzüge nicht veröffentlicht wurden? jedenfalls möchte ref. das nonum prematur in annum (s. IV) etwas in zweifel ziehen oder höchstens in dem sinne zulassen, wie es H. Prutz von seiner 'culturgeschichte der kreuzzüge' aussagt, dasz er seit neun jabren daran gearbeitet. denn das ist nicht zu bestreiten, mit voller kenntnis der speciallitteratur ist das buch gearbeitet. namentlich im bereiche der römischen geschichte tritt dies deutlich zu tage. da schöpft der verfasser aus dem vollen. doch vielseitiges und gründliches wissen sind noch nicht genügend, um auch ein practisch recht brauchbares lehrbuch zu schaffen, wenn sie dazu auch unentbehrlicb. nachdem Frick (Halle) durch seine trefflichen fingerzeige und dispositionen auf die methodik des historischen unterrichts entschieden einflusz gewonnen, glaubte referent, dasz kein neuer leitfaden in dieser disciplin mehr erscheinen könne, der nicht beweise, dasz es ihm auf sorgfältige gliederung des stoffes vor allem ankomme. das ist nun aber bei E.s grundzügen nicht der fall, zumal nicht in der griechischen geschichte. wie weit bleibt er darin hinter dem Herbstschen hilfsbuche zurück, obwohl gegen dasselbe die vorrede gerade zu polemisieren scheint. oder sollte referent sich täuschen, wenn er den satz 'es soll den schüler nicht durch unverständliche, orakelhafte abgerissenheit verwirren und nicht durch sätze ohne prådicate seinen sich eben bildenden stilistischen geschmack verderben' gegen Herbst gerichtet annimmt? es wäre wenigstens ein sehr oft schon gegen dieses hilfsbuch gerichteter einwand, der freilich nicht im stande gewesen ist, zu verhindern, dasz dasselbe das am meisten verbreitete lehrbuch geworden. doch sehen wir uns unsere 'grundzüge einmal näher an. sie beginnen mit einer einleitung, welche die prähistorische zeit, rassen, religionen und die orientalischen völker behandelt. schon hier liesze sich streiten, ob die besprechung der menschenrassen und dann auch der Japaner und Chinesen nicht besser dem geographischen unterrichte überlassen bleiben sollte. sie steht so ganz obne zusammenhang mit der sonstigen aufgabe. anders ist es schon mit den Indern, sie treten ja mit Alexander dem groszen in berührung, auf sie weist der phönizische handelsverkehr bin, aber darum würde sie referent doch auch nur an der stelle näher erwähnen, wo sie mit der griechischen welt in beziehung treten. dasselbe gilt auch von den Assyrern und Babyloniern,

soweit nicht da schon die geschichte des alten bundes im religionsunterrichte eine genügende bekanntschaft erzielt bat. die besondere besprechung der israelitischen geschichte im historischen unterrichte hält referent für überflüssig. dagegen musz selbstverständlich, — aber auch nur wieder an der rechten stelle, – auf die altpersische und altägyptische geschichte etwas eingegangen werden, wäre es für die letztere auch nur an der hand von abbildungen ägyptischer bauwerke. auch Herbsts bilfsbuch enthält zuerst ein einleitendes capitel, aber wie ungleich tiefer faszt dies seinen zweck. da ist ernst gemacht mit dem multum non multa, was freilich auch der verfasser für sein buch in anspruch nimmt. nach der einleitung folgt die griechische geschichte, als erstes capitel fübersicht der geographischen verbältnisse Griechenlands'. Herbst sagt da einfach, das land'. diese verschiedenen überschriften scheinen referenten charakteristisch für beide bücher. dort viel worte, hier die sache selbst, klar und précis. eine geographische übersicht wird von E. nur hier gegeben, während es dem ref. ein vorzug des Herbstschen buches scheint, dasz dieses an geeigneter stelle die geographischen verbältnisse von Lakonien, Attika und Makedonien noch einmal erweiternd bespricht. sodann folgt die 'einteilung der griechischen geschichte'. verfasser teilt in sechs perioden. 'I. die alte zeit'. während man hier nun zunächst von der volksreligion, ihren theogonien und kosmogonien etwas zu hören erwartet, bespricht verfasser zunächst die 'pelasgische zeit'. hier erwähnt er die verschiedenen ansichten der gelehrten über die abstammung resp. zugehörigkeit der Pelasger, und es ist referenten zweifelhaft, ob solche in wahrem sinne akademische frage in ein buch, das doch, zunächst wenigstens, für die hand des schülers bestimmt ist, hineingebört. das nächste capitel behandelt das heroische zeitalter und die volksstämme. dieselben bespricht nochmals das folgende capitel, obwohl mit demselben schon in die Ile periode, in 'die zeit der Wanderungen und der älteren colonisation' eingetreten ist. jetzt erst folgt, in ein capitel verschmolzen, die colonisation, die entschieden zu karg behandelt ist und 'Homer und Hesiod und ibre zeit und damit der ebenfalls zu dürftig ausgefallene bericht über die griechische religion. wieder musz referent bezeugen, dasz hier die 'grundzüge mit dem Herbstschen bilfsbuche den vergleich nicht aushalten. und so geht, das durch die ganze griechische geschichte hindurch. es fehlen die leitenden groszen gesichtspunkte für gröszere abschnitte, es fehlt in diesen die klare gliederung, die in unsern tagen bei einem schulbuche glücklicherweise unerläszlich ist. verfasser wirft gelegentlich verschiedenes durcheinander, wiederholt dann wieder einiges unnötiger weise. so bespricht er die olympischen spiele im anschlusz an den zweiten messenischen krieg und kommt auf dieselben dann nochmals bei den 'nationalen instituten' zu sprechen. warum auch diese benennung für spiele und orakel? trifft die bezeichnung nationale einigungsmittel nicht besser den kern der sache? die darstellung der Lykurgischen verfassung wird unterbrochen durch die schilderung der messenischen kriege. bei diesen findet sich die herkömmliche angabe für den ersten 743—724 uud dazu die bemerkung 'in wahrheit etwa 8 jahre später für den zweiten 685—668 'in wahrheit etwa 40 jahre später.' wozu dann jene zahlenangabe, wenn sie doch unrichtig ist? überhaupt findet referent gerade an den zahlen manches auszusetzen. so ist nach E. Jerusalem 588 zerstört, Krösus dagegen 546 besiegt und Babylon 536 eingenommen worden, während sonst diese zahlen 586, 548 und 538 sind. den Kylonischen frevel verlegt E. in das jabr 612, Duncker jetzt aber in 616. doch es würde zu weit führen, auf alle einzelheiten einzugehen, nur einiges soll noch hervorgehoben werden. wenn sich das buch zum zweck gesetzt, die wesentlichen personen der geschichte kurz und präcis zu schildern', so muszte doch wohl auch von Solons früheren thaten, aus denen seine vaterlandsliebe schon bervorleuchtet, etwas berichtet werden. die kurze beurteilung der Solonischen verfassung (s. 46) ist, wie vorher schon die der Lykurgischen (auf s. 31) anzuerkennen. auf s. 51 bespricht das buch kurz die säulenordnungen. gieng verf. dabei auf die bestandteile der säule überhaupt ein, so musten ihre grundbestandteile, schaft und kapital, genannt werden. es ist geradezu misverständlich, zu sagen z. b. von dem 'ionischen stil, dessen säulen auf einer unterlage ruhen und in einer schnecke oder volute endigen.' s. 55 bätte referent gewünscht, den gegensatz zwischen Aristides und Themistokles priciser ausgefübrt zu finden. der zweite Perserkrieg 480—479 ist entschieden zu knapp bebandelt, namentlich muste die grosze bedeutung des sieges von Platää klargestellt werden. der dritte messenische krieg wäre wobl besser in dem zeitalter des Peri. kles zu behandeln gewesen, wie auch die andern ereignisse, welche den schlieszlich gänzlichen zerfall des verhältnisses Athens zu Sparta vorbereiteten. denn jetzt enthält das im übrigen recht ansprechende capitel 'Athen unter Perikles' nur die innere entwicklung und blüte der stadt und von Perikles kommt dadurch kein ganz richtiges bild zu stande. 'ein zeitraum' soll es nach des verfassers meinung aber sein (s. 68), den das ganze capitel darstellt, in diesen gehörten aber auch die auswärtigen beziehungen freundlicher und feindlicher art. bei der behandlung des peloponnesischen krieges vermiszt referent eine klarlegung der inneren gründe des furchtbaren zwistes. man kann sie ja wohl im abschnitte f des vorangehenden capitels angedeutet finden, das kriegscapitel selbst aber enthält nur die 'anlässe(?) des krieges'. in der ersten phase des krieges 431–421 låszt sich auch keine spur von äuszerer oder innerer gliederung erkennen, die Junge in seinen geschichtsrepetitionen so passend gibt als 'der krieg nach alter weise —425' und 'der krieg nach neuer strategie —421'. jetzt wäre zu erwarten gewesen 'die zweite phase des krieges', es folgt aber nach dem 'faulen frieden des Nikias' der 'dekeleische krieg'. die sicilische expedition ist in jenen mit hineingezogen. auf die sicilischen verhältnisse ist weder hier noch früher näher eingegangen. auch die folgen des fast 30jährigen krieges, kurz und klar zusammengefaszt, sollte ein schulbuch doch wohl enthalten, liegen in ihnen ja wieder die ursachen zu neuen wichtigen wirkungen. nichts davon weisen die grundzüge auf. die Vie periode 'Griechenland unter römischem einflusz und römischer herschaft' wird bei der behandlung der griechischen geschichte ganz übergangen. es muste docb wenigstens gesagt werden warum.

Entschieden besser ausgeführt sind die grundzüge der römischen geschichte. trotzdem auch hier manigfache bedenken, wozu gibt der verfasser (s. 110) die vier verschiedenen etymologien von curia an? in den verfassungszuständen, die übrigens recht anerkennenswert dargestellt sind, muste aber, was dem verfasser selbst noch zweifelhaft ist ('vielleicht'), wie das jus suffragii der plebs in den curiatcomitien, nicht aufgenommen werden. unbeschadet seines 'vielleicht' låszt der verfasser aber auch die wahl der volkstribunen durch die plebejer in den curiatcomitien geschehen. (s. 127). misverständlich ist die bemerkung, 'ibre (der plebejer) stellung ist also die gleiche, wie der clienten, mit der ausnahme, dasz sie mit den patriciern nicht durch das patronatsverhältnis verbunden sind;' (s. 120) oder es muste das patronatsverbältnis auf s. 115 näher prä. cisiert werden. die ansicht von Willems, auf welche sich der verf. dabei stützt, ist ja keineswegs so unbestritten; jedenfalls bat neben ihr die von Niebuhr, Schwegler u. a. auch noch ihre berechtigung, höchstens konnte es hier heiszen non liquet. dagegen wird in der römischen geschichte an richtiger stelle die vorgeschichte Karthagos gegeben, auch das frübere verhältnis dieser stadt zu den Römern erwähnt. hier findet sich auch der versuch, leitende gesichtspunkte bei den gruppen des ersten punischen krieges aufzustellen, wenngleich referenten hier die gruppierung nach kriegsschauplätzen zweckmåsziger scheint. aber diese ansätze zur bessern gliederung und zur vertiefung des stoffes genügen noch nicht. im ganzen ist auch hier noch innere und duszere geschichte meist in denselben capiteln behandelt, und innere gründe sind von äuszeren veranlassungen nicht klar geschieden. der krieg in Spanien während des zweiten punischen krieges, ist in die darstellung der italischen kämpfe verpflochten, so dasz beide an übersichtlichkeit verlieren, die einteilung des jabrhunderts von 133–31 in ein zeitalter der Gracchen, des Gaj. Marius, des Cornelius Sulla, des Gnä. Pompejus, des Jul. Cäsar und des Antonius und Octavian, läszt sich rechtfertigen, wenngleich manche thatsachen nur in losem zusammenhange mit der maszgebenden persönlichkeit des zeitalters stehen, z. b. die verschwörung Catilinas mit Pompejus. Cäsar muste wohl eingehender behandelt, sicherlich aber musten seine reformen übersichtlicher zusammengestellt werden. gar zu knapp ist auch, dem ausgesprochenen zwecke des buches entgegen, das zeitalter des Antonius und Octavian bebandelt. ob dagegen die verschiedenen verfassungsverhältnisse bei den Ost- und Westgermanen zu erwähnen (s. 196) oder gar die exemplification auf die

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