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Audi für den samisclion krieg liisxt sich eine ausgedehntere bcnulzung des Ephoros kaum nachweisen, es ist gewis ganz richtig, dasz Plutarch Mie allgemeinen grundziige der expedition' aus Thukydides entnahm; aber die hauplquclle Tür die vielen einzclheiten, die wir aus Thukydides nicht erfahren, scheint weder Ephoros noch Aristoteles, sondern Duris von Sainos zu sein.

Auch Diodor(XII 27.28) hat möglicherweise Thukydides benutzt, doch beweisen die zahlreichen abweichungen und zusälze, dasz er den bericht eines andern autors mit in seine darstellung verarbeitet hat, wenn er nicht gar hier ganz unabhängig von Thukydides ist. jener andere historiker aber ist Ephoros, wie die Übereinstimmung mit den citaten bei Plutarch lehrt, im übrigen ist jedoch sein bericht so wesentlich von dem des Plutarch verschieden, dasz beide nicht denselben autor zur ergänzung des Thukydides herangezogen haben können, dasz Ephoros zweimal von Plutarch eiliert wird, ist kein gegengrund; er wird nur für cinzelhcilen angeführt, in ganz ähnlicher weise wie im leben des Kimon für die schlacht am Eurymcdon, für welche, wie wir nachgewiesen haben (а. o. s. 8 und 15 f.), Plutarch ebenfalls nicht Ephoros, sondern Theopomp gefolgt ist. ebenso verhält es sich mit Aristoteles, ja die merkwürdige art wie ihn Plutarch benutzt läszl es hier wie an manchen andern stellen fast als zweifelhaft erscheinen, ob er wirklich direct aus ihm geschöpft liahc. jedenfalls zog er ihn, schon der ganzen anläge seines Werkes wegen, nur gelegentlich zur ergänzung und controle heran.

Dagegen weisen mehrere umstände auf einen samischen autor hin. einmal schon die Weitläufigkeit des ganzen berichtes selbst, während die übrigen kriegsthaten des Periklcs doch ziemlich kurz abgemacht werden; dann die durchweg den Samiern freundliche gesinnung, die sich wie im ganzen so auch in manchen einzelnen puneten zeigt; hie und da blickt auch eine aristokratische und zwar samisch-aristokratische parteifarbung durch, für den Saurier Duris speciell sprechen verschiedene gründe, es steht fest dasz die Plutarchische erzählung von der brandmarkung der beiderseitigen gefangenen ans dem werke des Duris stammt; wahrscheinlich ist dieses auch die quelle der irtümlichen notiz über die Хеикг) fiepet, ein irtiim den man in der that eher einem späteren Saurier als Aristoteles oder Ephoros zutrauen kann (vgl. Sauppe s. 11 f.). diese nachrichten werden von Plutarch ohne angäbe des Gewährsmannes vorgebracht, die erstcre folgt unmittelbar nach einem citat aus Aristoteles, wie um den dadurch unterbrochenen faden der erzählung wieder aufzunehmen, ferner ist nicht ohne gewicht, dasz Plutarch schlicszlich (c. 28) den Duris, den er bis jetzt noch nicht genannt, obwol er ihn benutzt hat, citiert, um ihn wegen einiger Übertreibungen zu tadeln, ein verfahren welches die

uns nicht ganz sicher, ob dae 164e fragment des Theopomp wirklich in das 24c buch gehört und nicht vielmehr in «Ins zehnte, auszumachen ist die frage freilich nicht, so lange keine genauere Untersuchung über den inhalt und die anordnung der einzelnen biieher angestellt worden ist, ein unternehmen dessen grosze Schwierigkeiten freilich auf der hand liegen.

alten hisloriker gerade bei ihren hauptquellen lieben.") Sauppe legi groszen wcrlh darauf, dasz Plutarch dem Duris mislraue und ihn deshalb, schwerlich zu gründe gelegt habe; aber abgesehen davon dasz ihn dies an einer ziemlich häufigen benutzung desselbcu in anderen seiner Schriften nicht hinderte, sind es nicht eigentlich Unwahrheiten die er ihm vorwirft, sondern Übertreibungen, und man kann einen autor, der hie und da übertreibt, aber sonst viele wichtige nachriebten enthält, recht wol als quelle benutzen, wenn man ihn nur hinlänglich commuer!, und das hat Plutarch hier gethan. unwahrscheinlich ist auch K. F. Hermanns meinung (a. o. s. VII), Plutarch habe aus Duris nur das benutzt, was ihm zur ergänzung des von andern überlieferten passte, und deshalb werde er so häufig citiert; man hätte dann erwarten sollen, dasz er für die beiden oben erwähnten stellen mit namen genannt wäre, und nicht hier wo ihm Plutarch nicht folgen will.

Entscheidend aber für die benutzung des Duris ist der umstand dasz Plutarch im 24n capitel eine episode über Aspasia einschiebt, an einer stelle welche für eine biographie nicht unpassender gewählt sein könnte. Aspasia wurde nemlich, wie wir aus Harpokration u. 'Acrracia erfahren, gerade von Duris als Urheberin des samischen krieges hingestellt, und auch die vorhergehende notiz des Harpokration, dasz sie die lehrerin und geliebte des Perikles gewesen sei, wird auf diesen zurückgehen, dies macht es höchst wahrscheinlich, dasz Plutarch durch jene bchauplung des Duris, welche ganz wie eine erfindung der unterliegenden partei aussieht, durch die Schilderung welche derselbe von dem Verhältnis zwischen Aspasia und Perikles gab, zu dieser abschweifuug veranlasst wurde, zu dem was er in seiner hauptquelle fand fügte er aus seinen collectanecn noch eine anzahl anderer notizen über jene frau hinzu, dasz für die notiz über Aspasia nicht etwa der Sokratiker Aeschines oder Antisthenes zu gründe liegen, bemerkt Sauppe s. 12 mit recht (vgl. Hermann a. o. s. IV f.); an Stesimbrotos zu denken liegt kein grund vor, und mit Sauppe eine der Schriften über die attischen helaren für die quelle zu hallen scheint ebenso wenig nötig.

Nicht geringe Schwierigkeiten bietet die ermittelung der quellen der folgenden capitel, welche vom peloponnesischen kriege handeln. Hermann , Sintenis und Sauppe nehmen hier ein durchgängiges zugrundeliegen des Thukydides an, und wirklich läszl sich ein gegenbeweis kaum führen, trotzdem ist jene behauptung vielleicht zu zuversichtlich: denn die Übereinstimmungen des Plutarch mit Thukydides beweisen nur wenig, da der erstere im allgemeinen sehr kurz über die von diesem ausführlich berichteten Vorgänge hinweggeht und es auch nicht an ganz beträchtlichen abweichungen fehlt, welche Sauppe s. 36 auf Plutarchs flüchligkeit schiebt, es bleibt daher immerhin die hypothèse offen, dasz Plutarch aus einem Schriftsteller geschöpft habe, der seinerseits wieder den

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IG) ganz ebenso verfährt Livius, wenn er XXX 45 plötzlich den lybios, den er doch in dieser ganzen partie seines werkea stillschweid ausschreibt, citiert, um ihn wegen einer ungenauigkeit zu tadeln. reuaissaueezeit kommt ähnliches vor.

Thukydides ausschrieb, aber aus andern quellen neuen stoß* hinzufügte, da es jedoch vor der hand kaum möglich scheint hier ins klare zu kommen, und diese frage, so interessant sie für die restitution gewisser für uns verlorener geschiehtschreiber sein mag, für historische Untersuchungen von geringerem belang ist, so wird man sich wol bei den resultalen Sauppes beruhigen können, nur einige einzelheiten bedürfen noch einer genauem besprechung.

1) die erzählung von dem herold Anlhemokritos möchte Sauppc einem Schriftsteller wie Idomeneus oder Stesimbrotos zuschreiben, allein der lod des herolds und der antrag des Charinos sind anderweitig sehr gut beglaubigt17], und es ist daher natürlicher den Ephoros für Plularchs quelle zu halten, weil diese ganze partie der biographie, soweit sie nicht auf Thukydides zurückgehen sollte, nach Sauppes eigner auseinandersetzung wesentlich aus diesem geschöpft ist. dasz Diodor nichts von der sache erwähnt, ist nicht zu verwundern: denn dessen bericht über die Ursachen des peloponnesischen krieges, aus Ephoros geschöpft und in eine wahrscheinlich ausschlieszlich, jedenfalls der hauptsache nach auf Thukydides beruhende relation eingeschoben"), ist, wie deutliche spuren lehren, nicht nur arg gekürzt, sondern auch aus verschiedenen stellen des Ephoreischen geschieh Is Werkes zusammengeschrieben.

2) ebenso wird das 32e capitel auf Ephoros zurückgehen, da auch Diodor (XII 39) von dem process des Anaxagoras redet und erzählt wie Perikles hineinverflochten worden sei. der schluszsalz des capitcls18) scheint anzudeuten, dasz hier der bericht eines autors zu ende gieng, aus dem alles vorhergehende entlehnt war. die erwähnung des Acschincs beweist nicht, dasz dieser hier zu gründe liege; Plutarch scheint aus ihm nur die noliz entlehnt zu haben, dasz Perikles bei der vertheidigung der Aspasia viele Ihränen vergossen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den folgenden capiteln; die Übereinstimmung mit Thukydides ist unleugbar, aber gewisse einzelheilen und die ganze auffassungsweise lassen wenigstens die starke mitbenulzung eines andern autors vermuten (vgl. Sauppe s. 36 f.), und zwar scheint Plutarch hier wieder Theopomp zugezogen zu haben, dahin führt einmal die ganz eigentümliche Verknüpfung der ereignissc, welche der in den andern Theopompischen teilen der biographie ungemein gleicht, dann der bericht über die vÓGoi (с. 37): denn dieser weicht von dem des Aelian (XIII 14. VI 10), der doch hier wol aus Theopomp schöpft, nicht ab. ihn auf Pbilochoros zurückzuführen scheint nicht gut thunlich, da dieser

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SOnSt VOn Plutarch im Perikles gar nicht benutzt worden ist, obwol er ihm ausbeute genug geliefert hätte (vgl. Hermann a. o. s. V). noch viel weniger scheint es glaublich, dasz das was von dem häuslichen leid des Perikles erzählt wird (c. 36) aus dem sog. Stesimbrotos stamme (vgl. Sauppe s. 37): denn die aus diesem machwerk entlehnte notiz steht in sehr geringem zusammenhange mit dem vorhergehenden, und die art und weise wie Stesimbrotos hier citiert wird zeigt, dasz Plutarch neben dem bericht seiner hauptquelle noch einen anderswoher entnommenen zusatz anbringen wollte. Noch eine allerdings sehr gewagte vermutung will ich hier anssprechen. Plutarch hat im Kimon des Panätios schrift Trépi TrapnTopiac benutzt (s. Ekker zu Plut. Kimon s. 23); ist es nicht denkbar dasz auch die erzählung von der standhaftigkeit des Perikles im schmerz aus dieser abhandlung entnommen sei, da doch Plutarch früher ganz anderes darüber nach Protagoras berichtet hatte (cons. ad Apoll. 118")? Wir kommen nun zu der ebenso wichtigen als schwierigen frage, wem Plutarch die nachrichten über die ausführung der athenischen prachtbauten in den capiteln 12–14 verdanke. ich habe mir diesen abschnitt der biographie absichtlich bis hierher aufgespart, sowol weil die entscheidung nach der untersuchung der übrigen teile leichter ist, als auch weil an eine benutzung des Theopomp nicht zu denken ist. zu den von Sauppe s. 28 f. hierfür angeführten gründen läszt sich noch hinzufügen, dasz der letzte satz des vierzehnten und der anfang des fünfzehnten capitels sich genau an das elfte capitel anschlieszen, und die worte übc oüv Travrátract Au6eicnc tñc daqpopóc koi rsc TróMeuc oiov öuaAfic koi unóc revouéync koudf (c. 15) sich offenbar auf die bemerkung im 11n capitel beziehen: fv uèv fäpéE äpXfc duTrAón ric ünrouMoc, ücTrep év cidñpup, dapopóv ÜTrocnuaivouca dnuoriksc kai äpcrokparukñc Trpooupéceuc. sowol das elfte wie das fünfzehnte capitel sind aber oben dem Theopomp vindiciert worden. ist dies richtig, so ergibt sich das dazwischen liegende als einschiebsel. In Plutarchs darstellung in diesen capiteln selbst läszt sich leicht der von der hauptquelle entlehnte grundstock von verschiedenen zusätzen aus anderen autoren und von den eigenen betrachtungen des Plutarch unterscheiden; wer aber diese hauptquelle sei, dafür scheint auf den ersten blick jede andeutung zu fehlen. allein schon Sauppe machte mit recht darauf aufmerksam, dasz uns hier stücke aus den damals gehaltenen reden ausbewahrt seien; wenn er jedoch, namentlich auf dieser erkenntnis fuszend, ohne freilich zu viel gewicht darauf zu legen, die vermutung ausspricht, dasz das ganze stück aus den denkwürdigkeiten Ions stamme, so sprechen gewichtige gründe dagegen. Zwar sind uns aus Ion viele werthvolle nachrichten über seine zeit erhalten, und es ist auch wol bloszer zufall, dasz diese uns erhaltenen notizen sich meist auf dichter beziehen: denn das studium der griechischen litteratur wurde von den gelehrten in Alexandrien und Pergamon, durch welche wir eben die meisten aus Ion gezogenen einzelheiten kennen, in unvergleichlich höherem grade gepflegt als das der

griechischen geschichte; allein auf höhere politische erörterungen hat Ion sich doch wol kaum eingelassen, in der politik scheinen den geistreichen mann mehr die bonmots als der gang der geschäfte und das spiel der intriguen interessiert zu haben, insbesondere waren solche nalionalökonomische bemerkungen, wie sie das vierzehnte capitel des Plutarchischen Perikles enthält, gewis nicht seine sache, auch harmoniert die der Perikleischen politik durchgängig günstige Schilderung wenig mit der sonst bekannten gesinnung des Ion, der sich spcciell in dieser frage sicherlich auf den standpunet der bundesgenossen stellte, der ganze bericht des Plutarch weist vielmehr auf einen pragmalischen historiker hin, der nicht nur den gang der äuszeren politischen geschichte darstellte, sondern auch die culturhislorischc eutwickelung verfolgte, ein solcher autor aber ist Ephoros. dies ist auch anderswoher bekannt; gerade für diese période läszt es sich aus lliodor schlieszen. kümmerlich genug zwar sind die reste welche Diodor uns von dieser partie des Ephoros aufbehalten hat; aber die kurzen andeutungen über die enlwicklung der griechischen cullur nach den Perserkriegen, welche Diodor im anfang des zwölften buches gibt, lassen ahnen dasz er in seiner quelle über diese gegenstände, die sich in eine annalistische darslcllung nicht einfügen lassen, eine weilläuftigc auseinandersetzung fand, die er zum teil in die erörterung über die Ursachen des pcloponnesischcu krieges, wie er sie nach Ephoros gibt, verarbeitete, der grund, welchen Sauppc gegen die autorschafl des Ephoros anführt, ist nicht stichhaltig. Ephoros lieble es nach dem musler des Thukydides in seine darslellung reden einzufügen, und dasz, wie Sauppe sagt, 'die fülle und lebendigkeit des ausdrucke, die sich zu dichterischer färbung steigernde eigentümlichkeit der reden, um hier noch von dem hauche begeisterter teilnähme und Unmittelbarkeit, die uns in dem zweiten teile des capitels warm entgegenweht, gar nicht zu sprechen, wenig mit der sonst bekannten weise des Ephoros zusammenstimme', ist doch ein zu hartes urteil über den begründer der Universalgeschichte, abgesehen davon dasz die darslcllung des Plutarch kaum so glänzend ist, wie sie Sauppe erscheint, wenn aber auch das alles richtig wäre, die wunder des Periklcischen Athens waren sehr geeignet auch ein ziemlich prosaisches gemüt zu erwärmen, und wo sogar ein Plutarch fast zum dichter wird, sollte da Ephoros kalt geblieben sein?

Es fehlt jedoch auch nicht an positiven anhallspunclcn für unsere ansieht, dasz Diodor das 38c bis 40c capitel seines zwölften hiichs aus verschiedenen teilen der geschichte des Ephoros ausgezogen und ziemlich grob zusammengeschweiszt habe, liegt, wie wir schon zu bemerken gelegcnhcit hallen, auf der hand, aber selbst noch in dieser gcstalt ersehen wir daraus, dasz Ephoros weitlüuflig über die athenischen prachlbaulen und kunstwerke gehandelt halte, er halte erzählt, wie Perikles der leitcr von allem war (Diod. XII 39), wie Pheidias das Standbild der Alhena errichtet und wie man dann Perikles durch einen process gegen seinen freund zu vernichten suchte; er hatte berichtet, wie der dclische schätz nach Athen geschafft wurde (Diod. XII 38 vgl. Plut. Per. 12), was Plutarch plötzlich als bekannt voraussetzt, ohne es vorher auch nur mit einem worlc

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